Alter Ego: In welcher Film-, TV- oder Romanfigur finde ich mich am ehesten wieder und warum?Tja, welche Figur? Das ist ja gar nicht so einfach. Zuerst dachte ich, ich weiß gar keine Figur, die mir auch nur ansatzweise nahekommt, denn das ist es, was ich beim Gucken/Lesen ständig denke. Die Charaktere sind aber ja oft auch einfach sehr eindimensional gestaltet oder in einer gewissen Hinsicht sehr extrem, einfach weil man das für den Handlungsverlauf braucht.
Aber dann ist mir eingefallen, dass es in den USA mal eine Fernsehserie gab, deren Protagonistin mir recht ähnlich ist. Die Serie heißt "Freaks and Geeks" und dreht sich um das Leben eines Mädchens in der letzten Phase der Highschool: Lindsay. Lindsay ist im Grunde recht intelligent und war bis zu den letzten Sommerferien eigentlich ein Nerd, weil sie sich in komischen inner- und außerschulischen Dingen engagiert, z.B. die Mathletes. Über den Sommer hat sie dann aber nun irgendwie einen geistigen Sprung gekriegt und orientiert sich jetzt ihr komplettes Image neu. Sie hat gemerkt, dass in ihr ein Nerd steckt, sie findet es aber furchtbar und ist damit vielen ihrer früheren Freunde voraus, die noch nicht einmal merken, wenn sie negativ auffallen und warum. Heile, naive Welt eben.
Mir ging es in der Schulzeit eigentlich immer ähnlich. Ich wusste immer, dass in mir ein Nerd steckt, aber ich fand es immer furchtbar und hab versucht, entsprechendes Verhalten zu vermeiden, wo es ging. Auch wie Lindsay mit ihrem Freund umgeht, kann ich gut nachvollziehen. Sie sieht zwar nicht ein, dass er von außen als Honk abgestempelt wird (weil ernicht so clever ist und offensichtlich eher das Losergen hat) und verteidigt ihn nach außen hin. Sie kriegt aber trotzdem einen zu viel, wenn er ihr ein Kärtchen schreibt, das aus gerade mal 1 Satz besteht und trotzdem gleich 2 elementare Schreibfehler einbaut. Ich denke, wenn mein Freund zu mir "Ich liebe dir" sagen würde, würden sich mir auch die Fußnägel hochkrempeln. Und ich lache mich jedes Mal kaputt, wenn sie wieder merkwürdig reagiert auf diverse Dinge. Einerseits möchte man sie schütteln, andererseits hätte ich mich in dem Alter aber genauso verhalten.
Jedenfalls ist Lindsay ein gutes Beispiel dafür, wie man erstmal herausfinden muss, wer man eigentlich selbst ist und wie man lernt zu seinem eigenen Charakter zu stehen und eine starke, autarke Persönlichkeit zu sein ohne den Nerd (und das Mädchen) in sich dabei zu verleugnen.
Ich selbst halte mich heute, mit temporären Ausnahmen, eigentlich für eine relativ starke Frau. Aber bis hierhin hat es doch recht lange gedauert. In der Schule habe ich damals meine Unsicherheit damit wettgemacht, dass ich als Klassensprecher und ähnlichen Dingen in vielen Dingen das Sagen hatte und mich außerdem auch im Zweifelsfall immer auf diese "Ämter" und Nischen berufen konnte. Wenn ich also uncool (und uncool war in meinem Fall nicht nur nerdig sondern eben auch weibisch) war, hatte ich eine Entschuldigung dafür. Ich denke, tough gewirkt hab ich wohl schon immer. Aber es war ein eindimensionales stark sein, und bis mein innerer Nerd, mein Gefühlsleben und mein Äußeres sich zu dem zusammen getan haben, was jetzt gerade diesen Blogeintrag verfasst ;) war es doch ein ziemlich langer Weg.
Vor mir war Shieldmaiden dran.
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